Screenshot: sdg-treptow-koepenick.de

Treptow-Köpenick macht Nachhaltigkeitsmaßnahmen transparent

Mit den 17 Sustainable Development Goals geben die Vereinten Nationen vor, welche Faktoren eine Gesellschaft beachten muss, um sich nachhaltig zu entwickeln. Doch wie können diese Ziele in messbare, verhandelbare und transparente Maßnahmen übersetzt werden? Treptow-Köpenick hat in Zusammenarbeit mit der HTW Berlin als erster Bezirk in der Smart City Berlin eine Online-Monitoring gestartet, das den Umsetzungsstand seiner Nachhaltigkeitsstrategie aufzeigt und den Fortschritt einzelner Maßnahmen übersichtlich darstellt.

Keine Armut, kein Hunger, Gesundheit & Wohlergehen. Das sind die ersten drei von insgesamt 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Verabschiedet wurden sie von den Vereinten Nationen 2015 im Rahmen der „Agenda 2030“. Die SDGs umfassen globale Ziele mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten, die menschenwürdiges Leben ermöglichen und dabei gleichsam die natürlichen Lebensgrundlagen in den „planetaren Grenzen“ dauerhaft bewahren sollen. Sie richten sich an Staaten ebenso wie an die Zivilgesellschaft.

Kommunen stellt sich in der Umsetzung der Ziele vor allem die Frage: Wie kann man die SDGs erfassen, auswerten sowie entsprechende Maßnahmen und Aktivitäten daraus ableiten? Denn kommunale Nachhaltigkeit ist vielfältig und komplex. Sie betrifft sämtliche „Geschäftsfelder“ einer Kommune, ihre Wirtschafts- und Wissenschaftspartner sowie einzelne Bürgerinnen und Bürger. Dennoch lässt sich Nachhaltigkeit in ihren Auswirkungen auf das tägliche Tun nur schwer „greifen“. Es bedarf daher einer erheblichen „Vermittlungsleistung“, damit aus der globalen Zielstellung handhabbare Aktivitäten erwachsen können.

Treptow-Köpenick zeigt bei der Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsstrategie als erster Berliner Bezirk, wie das funktionieren kann. Gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) hat der Bezirk ein Nachhaltigkeitsmonitoring entwickelt, das ausgewählte Maßnahmen anhand der 17 SDG kategorisiert auflistet und den Fortschritt in der Umsetzung der Ziele übersichtlich aufzeigt.

Online-Monitoring einzelner Maßnahmen

Das Monitoring ist mit einer Website verknüpft, die Ende Februar an den Start ging. Basis des Monitoring-Systems sind rund 70 Maßnahmen, die der Bezirk 2021 in seiner kommunalen Strategie für Nachhaltigkeit definiert und verabschiedet hat. Jedem der 17 SDGs wurden in dem System zwischen drei und sechs Maßnahmen zugeordnet.

Entwickelt wurde das Monitoring in einem partizipativen Prozess und auf Grundlage der Open-Source-Plattform „Open SDG“. Viele der allgemein verfügbaren und vom Bezirksamt gesammelten Daten – zum Beispiel zur Arbeitslosenquote, Schulabbrecherquote etc.  –  können als grober Indikator für das jeweilige SDG herangezogen werden. Die in Treptow-Köpenick erarbeiteten Nachhaltigkeitsmaßnahmen lassen sich dadurch jedoch nicht wirklich abdecken oder beschreiben. „Wir müssen sie mit anderen Daten ergänzen“, erläutert Dennis Lumme, Koordinator kommunale Entwicklungspolitik beim Bezirksamt Treptow-Köpenick. „Hierfür kommen frei verfügbare Daten genauso in Frage wie neu erhobene Daten aus eigens für das Projekt aufgebauten Datenpatenschaften.“ Mit den Umsetzenden wurde vereinbart, welche Aspekte und Daten beachtet und gleich mit erhoben werden sollen. „Diese spezifischen Daten und Indikatoren sind passgenau auf die Maßnahme geschneidert. Auf diese Weise können sie  ein viel genaueres Bild des Umsetzungsstands der gesamten Kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie liefern“, so Lumme.

Win-Win-Situation zwischen Wissenschaft und Verwaltung

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) ist wissenschaftlicher Partner des Projekts. Sie hat sich selbst zum Ziel gesetzt, die erste klimaneutrale Hochschule in Berlin zu werden. Bereits 2015 schloss sie mit dem Land Berlin eine Klimaschutzvereinbarung ab. Das Thema Nachhaltigkeit ist inzwischen in allen Studiengängen der HTW Berlin verankert. Im vergangenen Jahr wurde das neue Forschungscluster „Sustainable Smart Cities“ an der Hochschule etabliert. „Die Frage, wie Kommunen die SDGs umsetzen und den Prozess der Nachhaltigkeit überprüfen können, betrifft viele Städte. Vor diesem Hintergrund konnten wir in dem Projekt wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen“, sagt Prof. Dr. Florian Koch, Sprecher des Forschungsclusters und zugleich HTW-Projektleiter für das Monitoring der Kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie Treptow-Köpenick. In einem Folgeprojekt möchte er daher gemeinsamen seinem Team den Treptow-Köpenicker Ansatz des Nachhaltigkeitsmonitoring auf andere Städte übertragen. Die Hochschule wird ebenfalls davon profitieren: „Über das Projekt können wir die Forschung zu nachhaltigen und smarten Städten an der HTW Berlin weiter vorantreiben."

Auch für das Bezirksamt Treptow-Köpenick gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der HTW Berlin wertvoll. Nicht zuletzt, weil sich über das Projekt für alle Beteiligten neue Kooperationsmöglichkeiten eröffneten. „Bei derart komplexen Vorgängen ist es unabdingbar, wissenschaftliche Expertise einzuholen und auch einzubauen. Wenn beide Seiten dann einen Mehrwert aus der Kooperation ziehen können, ist allen geholfen“, resümiert Dennis Lumme. Überraschend sei letztendlich gewesen, wie belebend die eingebrachten Datenpatenschaften auf ein eher trockenes Thema wie Monitoring wirken können. „Die Datenakquise brachte auch gänzlich neue Projekte und Projektideen hervor, die letztlich alle auch die Umsetzung der Agenda 2030 unterstützen.“

Erste Erfolge zeichnen sich ab

Wie sich aus dem Monitoring ablesen lässt, befindet ist ein Großteil der 2021 verabschiedeten Maßnahmen bereits in der Umsetzung. Außerdem zeichnen sich erste Erfolge ab. So wurden zum Beispiel ein kommunales Klimaschutzmanagement installiert und eine frei ausleihbare Lastenradflotte aufgebaut; das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks erhielt eine Gemeinwohlzertifizierung. Ein wichtiger Aspekt des Projekts sei darüber hinaus, dass das Monitoring aufzeige, an welcher Stelle Maßnahmen noch Unterstützung brauchten, betont Dennis Lumme. Die Umsetzung der Kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie wird daher mit Veranstaltungen und Workshops begleitet, die sowohl Erfolge darstellen als auch neue Impulse setzen sollen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Monitoring-Ansatz des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick ist sehr speziell und individualisiert. In Gänze lässt er sich daher nur schwer auf andere Städte und Kommunen übertragen. Elemente können jedoch lokalen Gegebenheiten angepasst und übernommen werden. So bietet die HTW Berlin bereits in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Service für Entwicklungsinitiativen „Engagement Global“ und dem Bezirksamt Treptow-Köpenick an, weiteren Kommunen bei der Erstellung eines individuellen Monitorings mit der Plattform Open SDG zu begleiten und zu unterstützen. Der Austausch zwischen den Bezirken und auch der Senatsebene bietet fachlich viele Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten der Kooperation.
 

Weiterführende Informationen


Monitoring der Kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie Treptow Köpenick

Cluster Sustainable Smart Cities an der HTW Berlin