eLHF an der Feuerwache, Smart City Berlin

Foto: Berlin Partner © eventfotografen.berlin

eLHF – feuerrotes eMobil bald im Einsatz

Im Rahmen des BENE-geförderten Projekts „eLHF“hat die Berliner Feuerwehr in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Rosenbauer ein vollelektrisch betriebenes Löschfahrzeug entwickelt. Der Prototyp wurde in der Hauptstadt 13 Monate lang im Realeinsatz getestet. Nach bestandener „Feuertaufe“ soll das Fahrzeug nun in Produktion gehen. Weitere Löschfahrzeuge selben Typs sollen bald in der Smart City Berlin dauerhaft im Einsatz sein.

Schon auf den ersten Blick schaut das feuerrot lackierte „Elektrische Lösch-und Hilfeleistungsfahrzeug“ – kurz eLHF – anders aus als andere Löschfahrzeuge: Es wirkt kompakt, modern und an den Seiten befinden sich metallene Rollläden. Es hat es außerdem in sich! Denn das eLHF ist das weltweit erste vollelektrische Löschfahrzeug.

Rund ein Jahr lang war der von der Firma Rosenbauer in enger Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr entwickelte Prototyp in Berlin im Einsatz. Genauer: in Mitte, in Tempelhof-Schöneberg sowie in der Suarez-Wache in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Die Berliner Feuerwehr mit ihrem breiten Einsatzspektrum in der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr und mit im Vergleich zum Bundesgebiet stark frequentierten Einsatzfahrzeugen bietet ein optimales Testfeld für ein solches Pilotprogramm“, erläutert Jens Klink, Projektleiter eLHF bei der Berliner Feuerwehr.

Übergeordnete Zielsetzung des Projekts „eLHF“ (Förderkennzeichen 1213-B4-N), das durch das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) gefördert und über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert wird: ein Löschfahrzeug für die Zukunft zu entwickeln. Ein Einsatzmobil, das dazu beiträgt, die CO2-Last in der Stadt zu reduzieren und somit einen Beitrag leistet zur Erfüllung der Berliner Klimaschutzziele. Ein weiterer Aspekt ist der betriebliche Gesundheitsschutz: Ergonomische Anpassungen, erhöhte Fahrsicherheit, eine geringere Lärmbelastung und ein verminderter Schadstoffausstoß in den Fahrzeughallen wurden daher in die Entwicklung des Prototypen mit einbezogen.

13 Monate im Probeeinsatz

Mehr als 1.300 mal war das eLHF von Anfang Februar 2021 bis Ende Februar 2022 in Berlin unterwegs. „Darunter auch länger andauernde Einsätze wie der Brand in einer Tischlerei, bei dem das Fahrzeug rund sieben Stunden vor Ort war“, so Jens Klink. 60 bis 90 Minuten lang kann der Prototyp samt Ausstattung und Pumpe an der Einsatzstelle vollelektrisch betrieben werden. Danach springt automatisch ein Dieselmotor an, der als „Range Extender“ den Speicher auflädt und sicherstellt, dass das Fahrzeug nahtlos weiterläuft. 125 Liter fasst der Tank. Die Batterie des eLHF kann in den Feuerwachen über zwei Schnelladesysteme aufgeladen werden, von denen eines in der Testphase mit Batteriepufferspeicher arbeitete. Die Aufladezeit in der Wache dauert rund 30 Minuten.

Darüber hinaus punktet das eLHF durch innere Werte. Allen voran der große Innenraum mit seitlichen Sitzbänken. Dieser bietet der Mannschaft im Einsatz deutlich mehr Platz und die Möglichkeit, direkt mit dem/der Staffelführer:in zu  kommunizieren; zumal das eLHF sehr leise ist. Maschinist:innen können das Fahrzeug außerdem über ein zentrales Display im Cockpit komplett steuern, ohne es im Einsatz verlassen zu müssen. Praktisch auch: Da das eLHF sehr tief gebaut ist, benötigt es keine Geräte-Tiefraumklappen. Die Mannschaft entnimmt und bedient die Geräte vom Boden aus und muss dafür nicht mehr auf das Dach des Fahrzeugs klettern. Über das pneumatische Fahrwerk lässt sich das eLHF höher oder  tiefer legen und den jeweiligen Bedingungen am Einsatzort anpassen. Es kann sogar durch Wasser „waten“. Im Testlauf zeigte sich auch, dass das Fahrzeug intuitiv zu bedienen ist. In die Nutzung wurde die Mannschaften jeweils innerhalb von zwei Tagen eingewiesen – nicht länger als bei herkömmlichen Modellen. 

„Grundsätzlich ist das Fahrzeug im Einsatz stabil“, fasst Jens Klink die Erfahrungen des Projektteams aus rund 13 Monaten Test-Einsatz zusammen. „Wir hatten zwar technische Probleme, die dazu geführt haben, dass wir das Fahrzeug außer Dienst stellen mussten. Diese Probleme lassen sich aber auf den Prototypenstatus zurückführen. Im Serienfahrzeug sollten sie nicht mehr vorkommen.“ Als positiv wertet Klink vor allem, dass die Berliner Feuerwehr im Rahmen des Projekts von Anfang an in die Entwicklung des eLHF eingebunden war. „Wir konnten unsere Anforderungen immer direkt mit den Entwicklungsergebnissen des Herstellers abgleichen und, wenn es den Einsatzdienst betraf, auch Änderungen einfordern. Ein schönes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Öffentlichem Dienst und Industrie.“    

Wie geht es weiter mit dem eLHF?

Das vierjährige Projekt läuft bei einem Gesamtbudget von 1,8 Millionen Euro noch bis Juni 2022. Derzeit wird der Probebetrieb des Prototypen von der Berliner Feuerwehr in enger Zusammenarbeit mit der Firma Rosenbauer evaluiert und ausgewertet. Danach sollen weitere Fahrzeuge des gleichen Typs „Rosenbauer RT“ in Berlin zum Einsatz kommen. Das e-Fahrzeug ist dabei etwa doppelt so teuer wie herkömmliche Modelle. „Die hierfür notwendigen Haushaltmittel wurden beantragt“, sagt Jens Klink und ergänzt: „Die Verteilung der ersten zehn Fahrzeuge wurde bereits festgelegt. Derzeit wird geprüft, ob die elektrischen Hausanschlussleistungen ausreichend sind und welche Feuerwachen ertüchtigt werden müssen.“

Wann genau die ersten seriengefertigten „Elektrischen Lösch-und Hilfeleistungsfahrzeuge“ in Berlin im Einsatz sein werden, steht noch nicht genau fest. Andere Bundesländer zeigen ebenfalls Interesse. So hat Beispielsweise eine Feuerwache in Nordrhein-Westfalen bereits zwei Fahrzeuge mit ähnlicher Konfiguration bestellt. In Amsterdam und Dubai laufen weitere eLHF-Prototypen im Testbetrieb.

Wer das Fahrzeug jetzt schon bestaunen möchte, dem bietet sich im Juni eine günstige Gelegenheit: Denn das eLHF wird vom 20. bis 25.6.2022 auf der Interschutz in Hannover zu sehen sein – der größten Feuerwehrmesse der Welt. (vdo)