Mobilitätsbericht Pankow 2020

Grafik: MobilBericht

Der Mensch im Fokus der Planung

Mobilitätsberichterstattung heißt ein neues Instrument für eine integrierte Verkehrsplanung. Damit soll der Verkehr künftig sozial gerecht und ökologisch verträglich gestaltet werden. Praktisch erprobt wurde die Mobilitätsberichterstattung in den vergangenen drei Jahren im Berliner Bezirk Pankow. Ein  Beitrag von Lisa Buchmann und Sven Hausigke (Technische Universität Berlin)

Vor Kurzem wurde ein Leitfaden veröffentlicht, der Kommunen deutschlandweit dazu ermutigen und befähigen soll, die Mobilitätsberichterstattung anzuwenden. Es geht darum, die Mobilitätsbedarfe der Menschen vor Ort besser zu verstehen und in der Planung angemessen zu berücksichtigen. Das übergeordnete Ziel: die nachhaltige Mobilität der Bevölkerung zu fördern. 

Der Leitfaden stellt Inhalte und Ziele dieses neuen strategischen Instruments der Verkehrsplanung vor und führt schrittweise durch das Vorgehen: von der gemeinsamen Diskussion eines Leitbildes und entsprechender Zielkriterien über die Erfassung der aktuellen Mobilitätssituation bis hin zur Entwicklung von Strategien und Maßnahmen, durch deren Umsetzung sich die Kommune schließlich dem Leitbild nähern soll. Darüber hinaus werden die Vorteile gegenüber den bisher etablierten Planungsinstrumenten dargestellt.

Status Quo der menschlichen Mobilität in Pankow

Praktisch erprobt wurde die Mobilitätsberichterstattung in den vergangenen drei Jahren im Berliner Bezirk Pankow. Mit wissenschaftlicher Unterstützung der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) und der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) hat Pankow als erste Kommune in Deutschland einen Bericht dieser Art erarbeitet: den Mobilitätsbericht Berlin Pankow 2020. Er zeigt den Status Quo der Mobilität der Menschen in Pankow auf und stellt konkrete Maßnahmen vor, mit denen der Bezirk das selbsterklärte Ziel einer nachhaltigen urbanen Mobilität erreichen will. 

Am Beispiel Pankow zeigt sich die Wirkung der Mobilitätsberichterstattung bereits. Die dafür neu geschaffene Stelle des/der Mobilitätsmanager*in fördert den ämterübergreifenden Austausch zu Mobilitätsthemen und etabliert das Verkehrsplanungsinstrument langfristig innerhalb der Verwaltungsabläufe. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem partizipativen Ansatz, der alle Akteursgruppen aus der Zivilgesellschaft, der Politik und der Verwaltung einbindet. Außerdem wird so sichergestellt, dass die Ergebnisse des Pankower Mobilitätsberichts in der Planung berücksichtigt und die entwickelten Maßnahmen umgesetzt werden.

Die Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass die Pankower*innen heute bereits 81 Prozent aller Wege mit dem Umweltverbund – also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV  – zurücklegen und damit recht umweltfreundlich unterwegs sind. Mit wachsender Entfernung zur Innenstadt steigen allerdings die Häufigkeit und Wegelänge der Autonutzung. Und auch insgesamt ist der Bezirk geprägt von einem hohen Kfz-Verkehrsaufkommen, dessen Folgen die Lebensqualität der Menschen vor Ort beeinträchtigt. 

Pankower*innen zu einer unabhängigen, eigenständigen Mobilität befähigen

Um die Mobilität der Menschen im Bezirk nachhaltig auszurichten, ruft der Mobilitätsbericht deswegen zum Umsteuern auf. Im Austausch mit relevanten Akteur*innen wurden dazu zehn Strategien erarbeitet. In erster Linie geht es dabei darum, ein vielfältiges Mobilitätsangebot zu schaffen, das die Menschen zu einer unabhängigen und eigenständigen Mobilität befähigt. Dafür gilt es, den Umweltverbund attraktiver zu gestalten – durch den weiteren Ausbau einer sicheren und komfortablen Radverkehrsinfrastruktur, ein flächendeckendes und attraktives Fußwegenetz und einen zuverlässigen, barrierefreien und nutzerfreundlichen ÖPNV. 

Nicht zuletzt gilt es, den Autoverkehr zu reduzieren. Durch die Umsetzung nachfragereduzierender und geschwindigkeitsmindernder Maßnahmen sollen lokale Umweltbelastungen vermindert werden. Entsprechende Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele liefert der Bericht gleich mit. 

Die Veröffentlichung des Pankower Mobilitätsberichts beendet die Planaufstellungsphase des Verkehrsplanungsinstruments gemäß dem Ablauf der Mobilitätsberichterstattung. Im nächsten Schritt werden die entwickelten Maßnahmen umgesetzt und der Mobilitätsbericht fortgeschrieben. 

Zukünftig soll die Mobilitätberichterstattung deutschlandweit auch in anderen Kommunen umgesetzt werden. Neben dem Leitfaden wird das Projektteam dazu in den kommenden Jahren Workshop- und Fortbildungsformate entwickeln und durchführen.

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