TSB-Studie zur Datenökonomie

Visual: Technologiestiftung Berlin

Datengetriebenes Potenzial

Welche Chancen ergeben sich für den Berliner Mittelstand durch den Aufbau von Datenkompetenz? Welchen Herausforderungen begegnen Unternehmen? Und welche Rahmenbedingungen können sie bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsfelder unterstützen? Das beleuchtet eine aktuelle Studie der Technologiestiftung Berlin zum Thema Datenökonomie.   

Rund 80 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland sind digitale Einsteiger. Erhobene Daten „legen“ sie weitgehend unstrukturiert ab und werten diese kaum aus. Und das Thema Datenkompetenz gehen sie meist zögerlich an, denn es fehlen Kapazitäten und das fachliche Know-how.

Wie Mittelständler gesammelten Daten so nutzen können, dass sie davon profitieren, beleuchtet eine vor Kurzem von der Technologiestiftung Berlin veröffentlichte Studie zum Thema Datenökonomie. Auf insgesamt 55 Seiten zeigt die Publikation auf, wo die Chancen für den Berliner Mittelstand liegen. Außerdem gibt sie Empfehlungen, was Unternehmen tun sollten, um den Anschluss nicht zu verlieren und skizziert Rahmenbedingungen, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen können.

„Daten an sich sind kein Wert. Erst durch die Auswertung und Verknüpfung entstehen neue Chancen und Möglichkeiten, beispielsweise Produktionsprozesse zu optimieren und innovative Produkte zu entwickeln“, so Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin. Unternehmen, die jahrelang analog erfolgreich waren, falle es allerdings häufig schwer, datengetrieben zu denken und digitale Disruption anzunehmen. „Oft fehlt auch das Know-how. Deshalb haben beispielsweise nur zwei Prozent der Unternehmen bereits Datenstrategien. Das muss sich ändern.“

Berlin punktet durch sein günstiges Innovationsklima

Berlin ist laut der Studie grundsätzlich ein innovatives Umfeld für die Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle, denn Start-ups, insbesondere in den datengetriebenen Bereichen Heath, IT, FinTech, Robotics und E-Commerce sind in der Stadt bereits sehr erfolgreich. Auch das Angebot an Daten zum öffentlichen Leben sei dank der Open-Data-Strategie Berlins überdurchschnittlich gut. Darüber hinaus teilten einige große Unternehmen in der Stadt bereits ihre Daten und ermöglichten so neue Entwicklungen. Generell liege bundesweit viel Potenzial in einer Optimierung der Datennutzung durch KMU, denn in kleinen und mittleren Unternehmen finden mehr als der 50 Prozent der Wertschöpfung statt. Eine Chance biete sich für die europäische Wirtschaft dabei vor allem im industriellen Bereich, denn dort werden die für die datengetriebene Wirtschaft notwendigen Infrastrukturen gerade errichtet. Der Consumerbereich hingegen sei durch die plattformbasierten Geschäftsmodelle der großen amerikanischen Konzerne bereits weitgehend abgedeckt.

Analyse der Stärken und Schwächen

Als besondere Stärken Berlins nennt die Studie u. a. die exzellente Forschungslandschaft (mit Leuchtturmprojekten wie dem Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data, BIFOLD), die beginnende Zusammenarbeit zwischen Forschung, Start-ups und Behörden sowie die enge Zusammenarbeit mit der Industrie. Auch gut funktionierende Förderprogramme (EXIST, Transferbonus, Innovationsassistent etc.) tragen zur Stärkung der Rahmenbedingungen bei. 

Als eine eindeutige Schwäche des Standorts wertet die Studie, dass Entscheidungen häufig in Unternehmenszentralen gefällt werden, die sich mehrheitlich nicht in Berlin befinden. Gerade bei KMU sei außerdem eine fehlende Sensibilität und mangelndes Know-how in Bezug auf die Nutzung eigener Daten zu beobachten. Auch fehle es an Fachkräften wie Data-Analysts, um innerhalb der Unternehmen die Rahmenbedingung für die Nutzung der Daten zu schaffen.

Neben einer Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT) des Standorts Berlin gibt die Studie der Technologiestiftung Berlin Handlungsempfehlungen, wie Berliner Akteur*innen bestehende Kompetenzen stärken und fehlende aufbauen können, um mit den globalen Entwicklungen in der Datenökonomie Schritt halten zu können und die herausgehobene Stellung der Stadt in bestimmten Bereichen weiter auszubauen. 

Dazu gehören: 
 

  • Gezielter Ausbau von Ausbildungs- und Studienangeboten und die Förderung der Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft. 
  • Erhöhung einer Datenkompetenz, die es ermöglicht, Daten nicht nur zu sammeln, sondern auch auszuwerten, zu vernetzen und in weitere Prozesse einzubinden. 
  • Vernetzung der exzellenten Forschung Berlins und der innovativen Startup-Szene mit KMU.
  • Erhöhung der Datenkompetenz der Verwaltung. Diese könne selbst Impulse geben, in dem sie Daten zur Verfügung stelle und eigene datengetriebene Projekte initiiere und voranbringe.
  • Eine Data-Governance für das Land Berlin, bei deren Konzeption und Umsetzung der Aspekt des Teilens von Daten beachtet und die Nutzung entsprechender Strukturen mitgedacht werden. 

Methodik

Die Studie „Datenökonomie. Chancen und Rahmenbedingungen in Berlin“ basiert auf Interviews mit Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sowie auf der Auswertung ausgewählter wissenschaftlicher Publikationen und Daten. Sie wurde von der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Energie gefördert. (vdo)

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